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Am Büdchen mit Oki Nakilov - Bericht aus der Frankfurter Rundschau

Der Comedian Jochen Döring spielt den abgewrackten Eintracht-Fan Mario und kommentiert die Partien der Kicker. Emotional, parteiisch und hundert Prozent frankfurterisch.

Der arme Michael Thurk. Die Eintracht-Fans haben den Stürmer, der im Jahr 2006 von Mainz 05 kam, ja nie wirklich gemocht. Manche nannten ihn sogar “TDS”, was für “Thurk, du Sau” steht und eindeutig zu weit ging. Aber der gute Mario hat auch nicht unbedingt nette Sachen über Thurk gesagt. Einmal zum Beispiel, ganz zu Beginn seiner “Heimspielanalyse”, meinte er, der Thurk habe im Spiel gegen Hertha BSC Berlin volle Leistung gebracht. In der Partie saß der Fußballer von der ersten bis zur letzten Minute auf der Reservebank.


Aber er will ja auch nicht nett sein, der Mario, der seit 20 Jahren Eintracht-Fan ist und vom Comedian Jochen Döring gespielt wird. Nach jeder Heimpartie der Eintracht stellt sich Mario an eine (geschlossene) Trinkhalle am Osthafen. Das Binding in der linken Hand, den Weltempfänger in der rechten, die Zigarette im Mund.

Anfänge im Theater

Und dann kommentiert er vor laufender Kamera das Spiel und erklärt, ob sich “Friedhelm Furunkel gut aus der Atmosphäre gezoche hat” oder ob “Oki Nakilov wieder einmal daneben gegriffen hat”. Man muss die Namen des Eintracht-Trainers und des (derzeit verletzten) Torhüters ja nicht richtig buchstabieren. Immer an Marios Seite ist der zurückgebliebene Lukas, der von Tim Karasch gespielt wird. Ein wenig erinnert das alles an Olli Dietrichs Dittsche. Aber nur ein wenig.

Im Sommer 2007 fing Döring mit “Marios Heimspielanalyse” an.  In einem Theaterstück hatte der 27-Jährige die Figur des abgewrackten Mario erstmals gespielt, und Freunde rieten ihm, mehr daraus zu machen. Also entschied sich der Eintracht-Fan, der samstags entweder Theater spielt oder mit seiner Dauerkarte ins Stadion geht, Mario die Eintracht-Partien kommentieren zu lassen. Mal zynisch, mal voller Begeisterung, mal entgeistert über die Leistung der Spieler.

Zunächst einmal stellten Döring und Karasch, die als Comedy-Duo “The Sons of Rolf & Detlef” über die Theaterbühnen im Rhein-Main-Gebiet tingeln, Videos der Auftritte ins Internet ein. Wobei sie darauf achteten, dass die “Heimspielanalyse” zeitnah erfolgte. Wenn die Eintracht samstags spielte, gingen die Experten sonntags zum Büdchen. “Da ist dann auch nicht so ein Krach wie an Wochentagen, da kann man in Ruhe Filmaufnahmen machen”, sagt Döring.

Unter den Eintracht-Anhängern machte schnell die Runde, dass die “Heimspielanalyse” sehenswert ist. Mit seinem alten Eintracht-Shirt und seiner Vokuhila sieht Mario aus wie die Karikatur eines Fußball-Fans, und genauso gibt er sich: emotional, parteiisch und hundert Prozent frankfurterisch. Dieser Tage erschien die erste DVD mit 17 Folgen der Serie, allesamt gedreht in der Fußball-Saison 2007/2008.

Michael Thurk spielt dabei nur am Anfang eine Rolle. Er wechselte vor einem Jahr von Frankfurt nach Augsburg. Für ihn als Comedian sei das “sehr schade” gewesen, sagt Döring. Denn für ein paar lockere Sprüche war Thurk immer gut.

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